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Iris Bahr: Moomlatz

Eine junge Frau reist durch Asien, um ihre Unschuld zu verlieren - Die New Yorker Komikerin Iris Bahr schrieb „Moomlatz“ (2007)

Von Marina Neubert

Dass die New Yorker Komikerin Iris Bahr ihre Unschuld in Asien verlieren wollte, mag eine Privatangelegenheit sein. Dass sie aber in ihrem Buch „Moomlatz“ alle Details ihrer Entjungferung unbedingt der ganzen Welt mitteilen musste, hat eher mit Geschmacklosigkeit zu tun. Warum kommt eine kluge, erfolgreiche Schauspielerin, die zurzeit in einem Einpersonen-Stück am Off-Broadway zehn verschiedene Charaktere spielt, nur auf die Idee, über ihre einstige Rucksacktour durch Asien - mit der Mission, einzig und allein ihrer Libido zu gehorchen - rückblickend zu berichten?

Damals war die Tochter jüdischer Eltern, die im Alter von zwölf Jahren mit ihrer Mutter von New York nach Israel gezogen war, bereits 20. Frisch aus der israelischen Armee entlassen, beschloss sie, sich in Asien entjungfern zu lassen. Sie packte ihren Rucksack, kaufte sich ein Ticket und ließ ihre bangende Mutter in Tel Aviv zurück. Quer durch Thailand, Vietnam, Nepal und Indien zog die mutige Abenteuerin auf der Suche nach dem passenden Mann, kämpfte gegen Darminfektionen, strandete in einer verrauchten Opiumhütte, überwand dabei ihre pubertäre Naivität - und das alles im Namen der Unschuld.

Doch seit Iris Bahr ihre Reise gemacht hat, sind Jahre vergangen. Es fragt sich, für wen sie ihre jugendlichen Abwege aufgeschrieben hat? Umso mehr, da sich ihre Reiseaufzeichnungen für keinerlei asiatische Sehenswürdigkeiten interessieren. Moomlatz heißt übrigens auf Hebräisch "empfohlen". Fragt sich, was genau die Reiseautorin empfiehlt: Die Sexpraktiken oder ihre reißerischen Aufzeichnungen darüber?

Vielleicht sollten besorgte Eltern, deren Kinder sich gerade auf engen Pfaden zwischen Phat Pong Road und dem Himalaya herumtreiben, dieses Buch durchlesen. Um am Ende erleichtert aufzuatmen: Entjungfert, abgemagert, abgerissen - aber das Kindchen kommt wenigstens heil heim.

(Die Rezension erschien am 21. Dezember 2007 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)