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Khaled Hosseini und die meistgelesenen Bücher in d

Tausend strahlende Sonnen (2007)

Khaled Hosseini erzählt in „Tausend strahlende Sonnen“ über afghanische Frauen

Von Marina Neubert

Die in Persisch oder Paschto schreibenden, in Afghanistan lebenden Autoren werfen dem Exil-Afghanen Khaled Hosseini vor, er lebe im komfortablen Kalifornien, verfasse seine Romane im amerikanischen Englisch und wage es, über das Schicksal seines "armen" Landes zu schreiben. Die Amerikaner selbst behandeln den 42-jährigen Arzt wie einen viel versprechenden Autor, der nach dem Welterfolg seines "Drachenläufers" nun einen etwas schwächeren, dennoch wichtigen Roman geschrieben hat. Dagegen beging ein bekannter deutscher Literaturkritiker vor einigen Wochen die Geschmacklosigkeit und warf vor den Augen seiner Fernsehzuschauer Hosseinis neues Buch "Tausend strahlende Sonnen" in einen Müllkorb. Doch der Leser - so belegen es Verkaufszahlen in den USA, in Deutschland und insbesondere in Italien - weiß diesen Afghanistan-Roman zu würdigen.

In der Geschichte der jungen Afghanin Mariam, die nach dem Tod der Mutter an einen alten Witwer verkauft wird, erzählt Hosseini vom Schicksal zweier Frauen, die heute - also im zivilisierten Medienzeitalter - Zwangsheirat und sexuelle Nötigung, Schläge bis zum Kieferbruch, Operationen ohne Betäubung und Hunger erleiden müssen.

"So wie eine Kompassnadel immer nach Norden zeigt", sagt Hosseinis Romanfigur, "wird der anklagende Finger eines Mannes immer eine Frau finden. Immer!" Die afghanischen Frauen sollen für die Misere im Lande gerade stehen. Um das Ungeheure dem westlichen Leser verständlich zu machen, fühlt sich der Autor in seine weiblichen Figuren Miriam und Laila ein. Er zeigt die inneren Widersprüche und Schwächen seiner Protagonisten und zieht uns in eine fremde Gefühlswelt hinein, die erschreckend nahe rückt.

Natürlich kann man Khaled Hosseini vorwerfen, dass er die politische Situation in Afghanistan nur als Kulisse benutzt, dass sein Erzähltonfall mitunter trivial wirkt und dass der Romanschluss kitschig daherkommt. "Tausend strahlende Sonnen" ist literarisch gesehen tatsächlich kein großer Wurf. Dennoch schafft es Hosseini, der verwöhnten westlichen Welt das Schicksal afghanischer Frauen so nahe zu bringen wie keiner zuvor. Das ist seine Leistung.

(Die Rezension erschien am 4. Januar 2008 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)