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Cees Nooteboom: Roter Regen

Cees Nooteboom erzählt uns in „Roter Regen“ das Märchen seiner Jugend

Von Marina Neubert

Der Niederländer Cees Nooteboom hat die halbe Welt bereist und so viel in seinen Romanen darüber erzählt, dass man ihn oft als Reiseschriftsteller bezeichnet. Doch diesmal schenkt er uns ein Märchen voller Erinnerungen. "Irgendwann, aber jedenfalls schon vor langer Zeit", so beginnen seine "Leichten Geschichten", die uns glauben lassen, der 74-Jährige habe sie erfunden, um sich selbst darin wieder zu entdecken.

In seinem neuen Band versammelter Geschichten "Roter Regen" nimmt er uns mit auf eine Reise zu den vertrauten Schauplätzen seiner Vergangenheit quer durch die Welt. Und es ist, als nähme uns dieser wunderbare Geschichtenerzähler an die Hand. Wir lassen uns versetzen in die 50er oder die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wir begleiten Nooteboom nach Surinam und nach Tonga, wir besuchen an seiner Seite das Grab Robert Stevensons oder das Denkmal des Dichters Giacomo Leopardi in Recanati.

Nooteboom reist in seine eigene Vergangenheit, die er nun mit den Augen eines älter gewordenen Mannes sieht. Da beugt sich zum Beispiel ein viel geehrter Schriftsteller über sein eigenes Tagebuch und entdeckt die Notizen des Siebzehnjährigen über eine Reise nach Belgien. "Ich hatte es fertig gebracht", wundert er sich, "in diesem Tagebuch zu verschweigen, was ich später als die wichtigste Erinnerung an diese Reise empfinden sollte: Das Überschreiten zuerst der belgischen und danach der luxemburgischen Grenze. Das einzige, was an die Emotion dieses Augenblicks erinnert, ist der Umstand, dass ich das Wort Grenze mit Großbuchstaben schrieb."

In den schönsten seiner Geschichten begegnet Nooteboom sich selbst aufs Neue - mit dem Ziel, Frieden mit dem zu schließen, womit er als junger Mann sich nicht anfreunden konnte. Aber er weiß, dass "Erinnerung und Wirklichkeit nicht immer miteinander verwandt sind".

(Die Rezension erschien am 25. Januar 2008 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)