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Ron Leshem: Wenn es ein Paradies gibt

Der Debütroman eines jungen unbekannten Journalisten über junge Soldaten im Südlibanon

Von Marina Neubert

Spätestens nach dem letzten Libanoneinsatz der israelischen Armee hätte dieser Roman geschrieben werden müssen. Viele haben ihn von David Grossman erwartet, dessen zwanzigjähriger Sohn Uri 2006 beim Einsatz ums Leben kam. Doch der israelische Antikriegsroman schlechthin wurde bereits zuvor von einem jungen unbekannten Journalisten geschrieben: Ron Leshem, der seinen Militärdienst im Verteidigungsministerium in Tel Aviv absolvierte, schrieb sich mit seinem Debüt "Wenn es ein Paradies gibt" mitten ins Herz der kriegsmüden Nation. Sein Roman schildert, wie beim Kriegseinsatz im Frühjahr 2000 junge Israelis in einer südlibanesischen Festung ausharren.

Vor fünf Jahren stand der Roman über ein Jahr lang auf den israelischen Bestsellerlisten. Er erhielt den renommiertesten Literaturpreis des Landes, den Sapir-Preis. Unter dem Titel "Beaufort" wurde das Buch von Joseph Cedar verfilmt. Der Film gewann auf der Berlinale 2007 den Silbernen Bären. Erst jetzt aber ist Leshems Roman, der dem Leser die Tür zur abgeschotteten Welt der jungen Soldaten auf dem südlibanesischen Stützpunkt Beaufort öffnet und damit auch ins Leben der gesamten, "vergeudeten" Kriegsgeneration der zwanzigjährigen Israelis, auf Deutsch erschienen, von Markus Lemke hervorragend übersetzt.

Mit jeder Seite geht Leshems unsentimentale und direkte Erzählung aus der Ich-Perspektive des 22-jährigen Kommandeurs mit Namen Eres, dessen kleine Truppe auf den Stützpunkt kommt, um die Stellung gegen die Hisbollah zu verteidigen, unter die Haut. "Wenn es ein Paradies gibt, dann sieht es genauso aus, und wenn es eine Hölle gibt, dann fühlt sie sich genauso an." Anfänglich sind die jungen Leute auf den ersten Kontakt mit ihrem Erzfeind begierig - am Ende müssen der junge Offizier und seine Jungs die Burg räumen. Mehrere Kameraden sind dem Einsatz zum Opfer gefallen. "Warum sind wir überhaupt dort gewesen?", fragt sich Eres. Und in seiner Antwort liegt auch die Botschaft von Leshems radikalem Buch: "Ja, Bruder, mein heldenhafter Bruder, es war alles umsonst."

(Die Rezension erschien am 9. Mai 2008 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)