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Elena Tregubova: Die Mutanten des Kreml

Elena Tregubova schreibt über die Korruption der russischen Oligarchen

Von Marina Neubert

Vor fünf Jahren, als das erste Buch von Elena Tregubova über die Korruption der russischen "Goldgräber" - "Die Geschichten eines Kreml Diggers"(2003) - erschien, schlug es in Russland wie eine Bombe ein. Keiner hat mit "noch einer" scharfen Regimekämpferin wie Anna Politkowskaja gerechnet. Keiner hat der damals 30-jährigen Journalistin die Courage zugetraut, so offen über die direkte Verbindung zwischen Kreml und dem russischen Oligarchentum sprechen zu können.

Kaum vorstellbar schien es den Machthabern im Kreml - denn die junge Tregubova, die damals bereits fünf Jahre lang als Kreml-Korrespondentin für die renommierte Moskauer Tageszeitung "Kommersant" gearbeitet hatte und bei den Mächtigen - sowohl bei Boris Jelzin als auch bei Wladimir Putin - ein und aus ging, galt zwar als kritische, dennoch immer noch als eine "akzeptable" Journalistin. Und dann auf einmal dieses entlarvende Buch, das trotz aller Auslieferungsbehinderungen auf den russischen Markt gelangte und Tregubova die Akkreditierung im Kreml kostete. Sehr schnell nach dem Erscheinen des Buches begann die systematische Demontage von Tregubovas Person in der Öffentlichkeit, woraufhin sie umgehend den zweiten Teil der Geschichte schrieb. 2004 erschien "Der Abschied eines Kreml Diggers", in dem sie über die dramatischen Ereignisse in ihrem Leben nach der Veröffentlichung des ersten Teils berichtete. Ihr wurde unter anderem die Arbeitsstelle bei der Zeitung gekündigt. Anfang 2004 detonierte eine Bombe vor der Tür ihrer Wohnung in Moskau. Die Täter wurden nicht gefunden.

Der Ermittler, wie es in der deutschen Übersetzung der Zusammenfassung von Tregubovas beiden russischen Büchern "Die Mutanten des Kreml. Mein Leben in Putins Reich" (2006) steht, fragte sie: "Kennen Sie zufällig einen gewissen Litwinenko?" - was sich heute, nach dem Vergiftungsmord am Regimekritiker Alexander Litwinenko 2006 in London, fast wie eine direkte Androhung liest.

Im April 2007 beantragte die Journalistin Jelena Tregubowa politisches Asyl in Großbritannien, welches ihr Anfang April 2008 zugestanden wurde.

(Die Rezension erschien am 2. Oktober 2008 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)