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Feridun Zaimoglu: Liebesbrand

Feridun Zaimoglu sucht in seinem Roman „Liebesbrand“ nach dem Glück. Der Roman wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 nominiert

Von Marina Neubert

Ein Glücksucher ist er, der deutsche Schriftsteller aus Kiel mit dem türkischen Namen Feridun Zaimoglu. Ein sehr ehrlicher Glückssucher. Sogar wenn er kein meisterhafter, zumal auch sehr produktiver Prosaiker wäre, der bereits 1995 mit seinem ersten Buch "Kanak Sprak" zum Kultautor avancierte und in den letzten Jahren solche beachtenswerte Romane wie "Liebesmale scharlachrot" oder "Leyla" der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur schenkte, hätte man ihn allein schon für seine literarische Ehrlichkeit würdigen müssen.

Auch in seinem jüngsten Roman "Liebesbrand" ist nichts gekünstelt. Nichts ist in der Liebesgeschichte von David unecht, in diesem unzeitgemäßen Wagnis eines Vierzigjährigen, sich jenseits von Geschäftszielen und Profiten auf die Suche nach der Frau seines Lebens zu begeben, also auf die Suche nach wahrem Glück.

David, der aus Kiel in die Türkei reiste, um dort die Familienprobleme seiner Tante zu lösen, überlebte auf dem Rückweg knapp einen Busunfall. Nach dem Unfall leistete ihm eine schöne blonde Frau namens Tyra erste Hilfe, um dann aber sofort in ihrem PKW den Unfallort zu verlassen. Was dem durch Rippenbrüche gezeichneten David von ihr zurückbleibt, ist ihre vergessene Haarspange, die durch Zaimoglus Gespür fürs Detail zu einem symbolischen Wegweiser im Roman wird. Mit diesem Liebeskompass in der Hand schickt der Autor seinen Helden durch die Türkei, Deutschland und halb Europa, um nach seiner Erlöserin zu suchen.

Zaimoglu versucht, in seiner leidenschaftlichen Glückssuche eine Frage zu beantworten, die er vor einem Jahr auch in seiner Rede "Von der Kunst der geringen Abweichung" formuliert hat: "Du weißt nun, dass du nur deine Jugend verjubelt hast, du bist Anfang vierzig, du hast dein Einkommen, deine Gewohnheiten, du klammerst dich an das bisschen Sinn, und nachts vor dem Einschlafen hast du das sichere Gefühl, dass du nichts weiter bist als ein Blödmann, und da draußen sind Millionen von Blödmännern." Da hilft nur Hoffnung auf Liebe.

(Die Rezension erschient am 7. März 2008 auf der Literaturseite der Berliner Morgenpost)